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8. Mai 2025
May 8, 2025 at 10:00 PM
by Jacques Litke
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Das kollektive Kurzzeitgedächtnis des Menschen scheint evolutionär verankert.
Die Mauer, der Holocaust, die großen Kriege –
für viele nur noch Daten. Nicht mehr Warnzeichen.
Dabei war nie zuvor die Möglichkeit so groß, sich zu informieren.
Und nie zuvor die Gleichgültigkeit so umfassend.

Heute ist ein Gedenktag.
In Berlin ein Feiertag.
In allen anderen Bundesländern – nicht.

Was sagt das über uns?
Vielleicht: Erinnerung ist auch eine Frage des politischen Willens.
Vielleicht: Gedenken ist nicht allen gleich wichtig.
Vielleicht: Wir haben längst begonnen zu vergessen –
bequem, kontrolliert, leise.

Ich schreibe diesen Text aus Berlin.
Nicht, weil ich Historiker bin.
Sondern weil ich ein Zucken spüre.
Einen Stich.
Als würde etwas Altes wiederkehren.
Nicht identisch – aber vertraut.

Geschichte wiederholt sich nicht.
Aber Menschen wiederholen Geschichte.

AfD über 20 %.
Trump zurück im Weißen Haus.
Ein Diktator hat ein freies Land in Europa überfallen.
Über 50 % der Deutschen sagen laut ZEIT-Umfrage (März 2025):
„Ich will nicht mehr an die NS-Zeit erinnert werden.“

Vergessen ist kein Zufall.
Es ist bequem.
Und gefährlich.

Franz Jägerstätter war kein Politiker.
Kein Star. Kein Funktionär.
Er war ein österreichischer Bauer, ein Vater, ein Christ – ein Mensch.
Einer, der Nein sagte, als alle Ja brüllten.
Und dafür hingerichtet wurde.

Ich kannte ihn nicht.
Bis ich Ein verborgenes Leben sah.
Ein Film, der nicht unterhält – sondern stört.
Weil er zeigt, was Haltung kostet,
wenn niemand klatscht.

Heute geht es nicht um Kränze.
Nicht um Sonntagsreden.
Nicht um Hashtags.
Sondern um Namen wie diesen.
Um Stimmen, die untergehen,
wenn wir sie nicht bewusst erinnern.

Franz Jägerstätter.
Ein Mensch wie du? Wie ich?
Nur mit mehr Mut.


Heute ist nicht einfach ein Tag im Kalender.
Heute ist Erinnerung.
Und Erinnerung ist kein Zitat – sie ist Verantwortung.