Ich sitze auf dem Ergometer. Regenerationstraining. Kein Heldentum, kein Hochglanzmoment, nur mein Plan, mein Körper, meine Perspektive. Über mir flimmert das Bild einer Welt, in der Lippen größer sind als Gedanken und Muskeln mehr sagen als Münder.
Ein Mann setzt sich neben mich. Nervös. Getrieben. Er sieht nach oben. Nicht auf den Himmel, sondern auf den Bildschirm. „Ich will so aussehen wie die da oben“, sagt er, hebt sein Shirt wie ein Opferlamm seine Unzulänglichkeit.
Ich sage: „Vielleicht bist du deshalb so unglücklich, weil du jemand sein willst, der du nicht bist.“
Doch er hört nicht. Seine Antenne ist abgestimmt auf eine Frequenz, die nicht mehr sendet. Das Gespräch verläuft wie so viele – als Monolog mit höflichem Beisatz.
Der Bildschirm über uns zeigt weiter körpergewordene Fiktionen. Silikon, Photoshop, Trainingslicht. Menschen als Gussform, als Filter, als Verkaufsversprechen.
Und ich denke:
Vielleicht ist das hier ein Schloss. Vielleicht sind wir längst darin eingesperrt. Und niemand hat je die Tür gesucht.